Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das Sexualleben
August 3, 2009 von Marcel
Kategorisiert unter Dating News
Die Folgen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise haben nicht nur auf die berufliche Situation vieler Menschen eine negative Auswirkung, sondern genauso auf deren Privatbereich. Und natürlich gehört dazu auch das Sexualleben, das sich zunehmend verändert, wie die österreichische Therapeutin Elia Bragagna feststellt. Sie bemerkt schon seit einiger Zeit, dass immer mehr Patienten in ihre Praxis kommen, deren Sexualleben unter ihren finanziellen Problemen und Sorgen um den Arbeitsplatz leidet. Ende 2008, als die Ungewissheit über die Zukunft vieler Arbeitsplätze am größten war, suchten besonders viele Paare psychologischen Beistand.
Menschen reagieren unterschiedlich auf Krisen
Während manche Leute versuchen, ihre inneren Anspannungen durch eine erhöhte sexuelle Aktivität abzubauen, haben andere vor lauter Sorgen und Ängsten überhaupt keine Lust mehr auf Sex. Der Verlust des Arbeitsplatzes ist ein besonders schlimmes Erlebnis, das bei vielen Menschen zu unterschiedlich schweren Formen der Depression führen kann. Davon waren in früheren Jahren vor allem die Männer betroffen. Aber inzwischen beziehen auch viele Frauen einen Teil ihres Selbstwertgefühls aus der Tatsache, dass sie gute Arbeit in ihrem Job leisten. Bei Jobverlust können daher beide Geschlechter in eine Identitätskrise geraten und unter einem geringeren Selbstbewusstsein leiden. Viele Partner fühlen sich müde und lustlos – und das auch im Schlafzimmer.
Die Paare sollten sich nicht selber unter Druck setzen
In solch schwierigen Zeiten, wie wir sie im Moment erleben, mit Zukunftsängsten, finanziellen Schwierigkeiten und Sorgen um den Arbeitsplatz, ist es besonders wichtig, sich nicht auch noch Vorwürfe wegen sexueller Lustlosigkeit zu machen. Mal eine Zeitlang einfach keine Lust auf sexuelle Aktivitäten zu haben, ist völlig normal und ist auch aus früheren Zeiten bekannt. Elia Bragagna weist betroffene Paare darauf hin, dass sich auch während des Zweiten Weltkrieges das Sexualleben verändert hat. Die Leute haben es damals aber einfach hingenommen, dass sich ihr Liebesleben veränderte. Solch hohe Ansprüche wie heute hat man in früheren Jahrzehnten nicht an die Sexualität gestellt. Sex hat während des Krieges einfach stattgefunden.
Wann man sich psychologische Hilfe holen sollte
Einige Monate lang keine Lust auf Sex zu haben, ist in Krisenzeiten wie jetzt, nicht ungewöhnlich und auch nicht behandlungsbedürftig. Es ist ratsam, wenn sich die Paare nicht unter Druck setzen, sondern die Flaute in ihrem Sexualleben einfach gemeinsam durchstehen. Die Partner sollten offen über die Veränderungen in ihrem Liebesleben miteinander sprechen und dafür Sorge tragen, dass mit der nachlassenden sexuellen Aktivität nicht auch die innere Vertrautheit zwischen ihnen schwindet.
Wenn die Flaute im Schlafzimmer allerdings länger als ein halbes Jahr anhält, rät die Psychologin den Paaren doch dazu, sich fachkundige Hilfe zu holen.
Elia Bragagna hat in ihrer Praxis aktuell einen leichten Rückgang an Patienten festgestellt. Sie führt das darauf zurück, dass viele Betriebe mittlerweile wieder besser aufgestellt sind. Spitzt sich die Krise aber nochmals zu, werden wohl auch die Patientenzahlen wieder steigen.

